Im Westen nichts Neues! Und auch hier nicht!

Die Heidekrautbahn – das dreibeinige Pferd im Wettlauf um Mobilität

Man sollte es kaum glauben, aber es gibt seit, während und mitten in der Pandemie nichts neues von der Schienenfront. So lässt man es uns zumindest glauben. Fast alle Ausschüsse zum Thema wurden aus Mangel an Themenpunkten abgesagt während die Presse progressiv Artikel veröffentlicht. Die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) führt die Gemeinde Mühlenbecker Land (GML) am Nasenring durch die Manege und der Zirkus geht weiter.

Unterdessen hat Tesla in diesem oben genannten Zeitraum eine Gigafactory gebaut, 12.000 Beschäftigte eingestellt und die ersten 1000 Autos produziert und höchstfeierlich übergeben. Man hat sogar ein Antrag auf weitere Gebäude gestellt. Verrückt!

Noch nie war wahrscheinlich ein Projektpartner so wenig involviert und einbezogen wie in dieser Partnerschaft zwischen NEB und Gemeinde ML. Die NEB rückt keine Unterlagen raus, plant im Stillen Kämmerchen vor sich hin und beruft sich auf rechtliche Rahmenbedingungen, in denen Sie jongliert und herumtingelt.

Ein Erschütterungs- und Schallgutachten, welches im letzten Jahr und davor schon vorgelegt werden sollte und zugesagt wurde, liegt bis heute nicht vor. Möglicherweise ist es dem Ganzen nicht dienlich und vertrauenserweckend genug für die Bürger, dies vorab zu veröffentlichen.

So sieh also eine vertrauensvolle Partnerschaft aus!? Im Gegenteil, es sieht sehr danach aus, als wenn die NEB auf Messers Schneide spaziert und aus Angst des Verlustes keine Informationen Preis gibt.

So fragt man sich, wo all die zugesagten Unterlagen sind, die Herr Dellmann während seiner Schirmherrschaft des Projektes „Reaktivierung der Heidekrautbahn“ vollmundig in den Ausschüssen zugesagt hatte. Nichts liegt vor und nichts ist zu bekommen. Null, nichts. Sieht so eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe aus? Wo ist er Eigentlich, der Star am Bahnhimmel? Wie schon beim BER scheinen solche Schattenfiguren in sich selbst zu verschwinden, wenn brenzlig wird.

Es gleicht einem Pokerspiel ohne Karten, in dem keiner weiß, wer überhaupt mitspielt und um was es geht. Jedes Kindergartenkind würde den Sinn anzweifeln und die Freundschaft aufkündigen. Aber man hofft auf Teufel komm raus, dass die letzten Penunzen nach dem Coronaloch noch im Beutel sind und das Projekt realisiert wird, bevor es aufgrund von Unwirtschaftlichkeit anderen Eisenbahnprojekte mit hohem Nutzen weichen muss und von der Karte gestrichen wird. Wenn die Heidekrautbahn doch tatsächlich so rentabel im Sinne eines hohen Fahrgastaufkommens wäre, sollte doch einer Reaktivierung nichts im Wege stehen, oder?

Das passiert nämlich, wenn tatsächlich nochmal jemand außerhalb der Wahlperiode über die Kosten-Nutzenrechnung liest und salopp gesagt das Verhältnis 150 Personen pro Tag für 50 Millionen + Unterhalt bewertet. Aber wir hoffen ja alle das Beste – aber dafür muss auch etwas getan werden.

Die aktuelle Planung sieht im Mühlenbecker Land wie im Orient gefühlte 1001 Fahrradstellplätze an den Haltepunkten vor, aber keine Radwege, die dort hinführen. Dafür aber wenigstens auch keine nennenswerten Parkplätze, Elektro-Ladesäulen oder charmante Sitzgelegenheiten wie sie unlängst auf dem Dorfplatz in Schildow für die Schar an Ausflüglern bereitgestellt wurde. Sie sieht aktuell keine wohlige Bahnhofsumgebung für die Besucher und Touristen vor. Betonbahnsteinkante mit tristen blauen NEB-Stabmattenzäune und Bahnhofs-LED-Fluter.

Man könnte ja das wunderschöne Schildower Bahnhofsgebäude wieder zum gleichnamigen umnutzen und ein Ausflugscafé/Pub integrieren während oben drüber das Tourismusbüro der Gemeinde angesiedelt ist. Das würde auch den bald in die Gegend ziehenden Senioren der geplanten Seniorenstätte entgegenkommen, die fussläufig ein Schwarzwälder mit Kännchen Kaffee geniessen könnten.

Was also nun? Wie geht es weiter?
Keine Ahnung. Schauen wir also weiter in die Röhre.

Achtung, dieser Artikel kann Ironie und Satire enthalten. Es ist Meinungsbild von Dennis Hentschel wieder. Aufregen kann überflüssig sein.


Ihr Dennis Hentschel

Gemeindevertreter
Mühlenbecker Land