Meinung zum Spatenstich der Heidekrautbahn

Der 1. Spatenstich – oder auch – eine Schippe Sand.

Liebe Leser,

am heutigen Tag ( 11. Dezember 2020) wurde der erste Spatenstich für den neuen Bahnhof Wilhelmsruh in Berlin mit der Politik und der NEB gefeiert. Gibt es denn einen Grund zu feiern? Der Spatenstich erfolgt „schon“ 10 Jahre nach dem erteilten Planrecht und nur, damit dieses nicht verfällt. Eine Finanzierung des Bahnhofs oder gar der Stammstrecke ist noch nicht sichergestellt.

Weder die beiden Länder noch der Betreiber stehen dafür gerade, es wird ein dritter (Bund) gesucht der die Spendierhose anhat. Dieser aber fordert eine NKU (Nutzen-Kosten-Untersuchung) für die Strecke. Da hat die NEB aber gut vorgesorgt und in der Vorplanung unrealistische niedrige Kosten abgebildet. Wenn jetzt die DB Netz AG noch ein bisschen mitspielt und auch ihre Kosten runterrechnet, dann wird es sicher klappen. Ist ja auch schon beim BER oder der Staatsoper Berlin gut gegangen.

Dann hat das doch hoffentlich technisch alles Hand und Fuß, was die beiden Vertragspartner da machen? Nein, leider weit gefehlt!

Der Neubau des Bahnhofs Wilhelmsruh an neuer Stelle liegt leider dort, wo die Gleise der zu reaktivierenden Nordbahn (Gesundbrunnen-Birkenwerder) gebaut werden sollen. Auf dem i2030-Korridorgespräch zur Nordbahn/Heidekrautbahn am 18.11.2020 wurde genau diese Frage gestellt. Frau Evelyn Gollasch von der DB Netz AG erläuterte, dass bei der Reaktivierung der Nordbahn „Anpassungen“ am neu gebauten Bahnhof Wilhelmsruh vorzunehmen sind. Experten sagten mir jedoch, dass der Bahnhof abzureißen und neu zu bauen ist. Wird das so kommen? Und wird in der Hauptstadtregion so mit unseren Steuergeldern umgegangen.

Nanu, da fehlt ein Gleis

Dabei sind noch 3-4 Jahre Zeit bis zur Inbetriebnahme der Strecke und des Bahnhofs. Ohne Zeitprobleme wäre hier eine Planänderung möglich, für die anderen Abschnitte hat noch nicht einmal das Planrechtsverfahren begonnen. Die Nordbahn ist so wichtig, da sie die überlastete Stettiner Bahn (nach Bernau) und das Karower Kreuz entlasten würde. Das weitere i2030 Projekt, die Kremmener Bahn (nach Hennigsdorf), wird das nicht leisten können, da durch den nicht beseitigbaren Bahnübergang Gorkistraße und die langen Schließzeiten kaum Kapazität auf dieser Strecke vorhanden sein wird. Ein weiteres teures Prestigeprojekt der beiden Länder ohne großen verkehrlichen Mehrwert. 

Was sagt uns das? Gut gemeint ist nicht immer gleich gut gemacht.

Herzlichst Ihr 
Dennis Hentschel